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Ivan Ljubić
Mut zur Akademisierung
Ein persönlicher Weg von der PFA zum gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege

Ich habe mit 41 Jahren den langjährigen Industriejob hinter mir gelassen, um in die Pflege zu wechseln. Ein wichtiger Schritt, den ich nie bereut habe. Mittlerweile habe ich den positiven Abschluss der PFA-Ausbildung und befinde mich derzeit im Studium der Gesundheits- und Krankenpflege. Nach wie vor spreche ich mich für die Akademisierung aus, weil ich überzeugt bin, dass Pflegepersonen Herz, Wissen und Entwicklung benötigen. Ich möchte besonders Pflegefachassistent*innen ermutigen, den Weg zur Fachhochschule zu wagen, für mehr Sichtbarkeit und Stärke in unserem Beruf. Vor allem aber tun wir das für jene, die im Mittelpunkt stehen: Die Patient*innen, Bewohner*innen und Klient*innen.

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Von einem geregelten Industriejob in die Pflege – ein Erfahrungsbericht, der Mut

machen soll.

Mit 41 Jahren habe ich mich für einen kompletten Neuanfang entschieden. Ich verließ meinen gut bezahlten und langjährigen Job in der Metallindustrie, einschließlich erweiterten Kündigungsschutzes als Betriebsrat, um an der Gesundheits- und Krankenpflegeschule des Salzkammergut Klinikums Vöcklabruck, die Ausbildung zur Pflegefachassistenz (PFA) zu beginnen. Dieser Schritt erfolgte nicht leichtfertig und vor allem nicht zur besten Zeit, da die Corona-Pandemie zu diesem Zeitpunkt aktiv war und die Arbeitsbedingungen in der Pflege dadurch zusätzlich erschwert wurden. Viele hätten gezögert. Ich habe mich getraut.

Und ich habe es bis heute keine Sekunde bereut. Der Einstieg in das moderne, stark digitalisierte Bildungssystem war durchaus herausfordernd. Doch ich durfte schnell erfahren, wie viel Unterstützung und Rückhalt es von Seiten der Lehrenden an der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege Vöcklabruck gibt. Dafür bin ich bis heute dankbar. Durch ihre Hilfe konnte ich mich rasch im neuen Umfeld zurechtfinden und begann bald, über den nächsten Schritt nachzudenken: den gehobenen Dienst und ein Studium der Gesundheits- und Krankenpflege.

 

Der Weg zur Akademisierung ist leichter als gedacht

Als PFA eröffnen sich heute viele Möglichkeiten, weiterzugehen – auch in akademische Richtungen. Auf der Website der FH Gesundheitsberufe OÖ (FHG OÖ) fand ich detaillierte Informationen über den sogenannten Hochschullehrgang zur Vorbereitung auf ein Studium im gehobenen Dienst (Micro-Credential). Zusätzlich gab es eine sehr hilfreiche Online- Infoveranstaltung, die mein Interesse bestärkte. In Oberösterreich ist der Weg gut strukturiert und transparent gestaltet. Mit einer bestandenen Englischprüfung auf B2-Niveau und dem Besuch eines rund viermonatigen Lehrgangs an der FHG OÖ in Wels erhalten Pflegefachassistent*innen die Zulassung zum Studium und können ins 3. Semester einsteigen. Der große Vorteil: Die Ausbildung der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege (DGKP) samt Bachelor of Science (BSc) kann dadurch in nur vier Semestern abgeschlossen werden. Die Lehrveranstaltungen des Micro-Credential-Lehrgangs fanden teilweise online statt. Im Rahmen des Lehrgangs mussten wissenschaftliche Kompetenzen erworben werden, was durch die Erstellung einer Seminararbeit unterstützt wurde. Zudem wurden Inhalte des Pflegeprozessesvermittelt. Ich selbst habe diesen Weg parallel zur laufenden PFA-Ausbildung und zur Englisch- Matura absolviert – das war zeitweise intensiv und herausfordernd. Somit konnte ich direkt in das dritte Semester einsteigen, wo ich mich nun als Student gerade befinde. Aber: Es muss nicht so sein. Jede*r kann das eigene Tempo bestimmen. Für mich war es wichtig, keine Zeit zu verlieren, immerhin war ich bereits 43 Jahre alt. Doch der Weg ist auch in Etappen sehr gut machbar.

 

Pflege im Wandel – ein klarer Schritt nach vorn

Ein bedeutender Wendepunkt für unseren Berufsstand ist die GuKG-Novelle 2016, BGBl. I Nr. 87/2016, insbesondere § 44. Diese gesetzliche Regelung ermöglichte es Pflegefachassistent*innen (PFA) über mehrere Jahre hinweg, in einer verkürzten Ausbildung den Beruf der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegeperson (DGKP) zu erlangen. Die letzten Lehrgänge dieses Modells starteten in Oberösterreich im Herbst 2025, mit Ende Dezember 2026 wird dieses Angebot endgültig eingestellt (Kozisnik et al. 2023). Damit bleibt künftig ausschließlich der Weg über die Fachhochschule und somit der akademische Zugang bestehen. Auch wenn dieser Umbruch bei manchen Menschen Unsicherheit oder Wehmut auslösen mag, sehe ich ihn persönlich als wichtigen und vor allem richtigen Schritt. Die Akademisierung verleiht unserer Berufsgruppe mehr Sichtbarkeit, stärkt unser professionelles Selbstverständnis und positioniert uns auf Augenhöhe mit anderen Gesundheitsberufen. Hebammen, Physiotherapeut*innen, Ergotherapeut*innen, Diätolog*innen, Logopäd*innen, Radiologietechnolog*innen, Orthoptist*innen, Biomedizinische Analytiker*innen – sie alle haben den Weg in die Akademisierung längst beschritten. Mit dem gleichen Bildungsniveau entsteht ein neues Miteinander in der interprofessionellen Zusammenarbeit, getragen von Verständnis für wissenschaftliches Denken und Handeln. Dieses Wissen ist nicht nur für uns als Pflegende ein Gewinn, es bringt vor allem unseren Patient*innen, Bewohner*innen und Klient*innen echten Mehrwert. Denn wer Pflegephänomene wissenschaftlich reflektiert, kann fundierter und zielgerichteter agieren. Zudem schließen wir damit zu vielen Ländern weltweit auf, die den Pflegeberuf längst akademisiert haben, nicht nur in Europa, sondern auch in Südamerika, Afrika und Asien. Die Akademisierung unseres Berufs darf nicht als Verlust der schulischen Ausbildung zum DGKP verstanden werden, sie ist ein bedeutender Fortschritt. Ein Zeichen der Weiterentwicklung, das wir feiern sollten. Und die viersemestrige FH-Variante ist ein effizienter, praxisnaher Weg für Kolleg*innen der Pflegefachassistenz, die ebenfalls den Weg der Akademisierung gehen wollen.

Warum ich meine Kolleg*innen ermutigen möchte

Ich schreibe diesen Artikel aus tiefstem Herzen, weil ich selbst erfahren habe, wie viel Mut es braucht, neue Wege zu gehen. Und weil ich weiß, wie viel Kraft in jedem und jeder Einzelnen von uns steckt. Ich möchte besonders meine Kolleg*innen in der Pflegefachassistenz ermutigen: Traut euch! Die Pflege braucht euch nicht nur in der täglichen Arbeit am Patient*innenbett, sondern auch in der Forschung, in der Entwicklung und in der Weitergabe von Wissen. Unser Beruf ist mehr als Versorgung, er ist Verantwortung, Beziehung, Reflexion und stetige Weiterentwicklung. Und genau deshalb verdient die Pflege eine starke, wissenschaftlich fundierte Basis. Die Akademisierung ist kein abstraktes Ziel, sie ist der logische nächste Schritt, um unsere Profession sichtbar zu machen, aufzuwerten und auf Augenhöhe mit anderen

Gesundheitsberufen zu bringen.

Dabei geht es nicht darum, dass jede*r in der Pflegewissenschaft tätig sein muss, sprich einen Master- oder Doktoratsabschluss anstreben muss. Aber ein Studium öffnet neue Türen: zu Sonderausbildungen, Spezialisierungen, Leitungsfunktionen, und vor allem zu einem tieferen Verständnis unseres eigenen Handelns. Mit jedem Schritt, den jede Person geht, wächst man, persönlich, fachlich und menschlich. Doch der größte Gewinn gehört denen, die uns täglich anvertraut werden: unseren Patient*innen, Bewohner*innen und Klient*innen. Sie stehen im Zentrum unseres Handelns. Und sie verdienen das Beste, was wir ihnen geben können, fachlich wie menschlich.

Tagtäglich begegnen wir komplexen Pflegephänomenen, die nach mehr verlangen als nach Routine. Sie brauchen Verständnis, wissenschaftliche Analyse und kreative Lösungen. Und genau hier kommen akademisch ausgebildete Pflegepersonen ins Spiel: Sie erkennen Zusammenhänge, handeln evidenzbasiert und entwickeln Pflege aktiv weiter. Die Reise kann, wenn man möchte, sogar bis zu einem Master, etwa in Advanced Nursing Practice (MScN), oder zu einem Doktorat (PhD) in Pflegewissenschaft führen. Natürlich ist dieser Weg nicht immer einfach. Aber er ist möglich. Und er lohnt sich. Vor allem, weil man ihn nicht allein gehen muss: Kolleg*innen, Mentor*innen und engagierte Lehrpersonen stehen einem mit Rat, Herz und Erfahrung zur Seite. Ich bin dankbar und stolz, diesen Schritt gewagt zu haben. Und ich wünsche mir von Herzen, dass viele von euch den Mut finden, ihn ebenfalls zu gehen.

Weil Pflege mehr ist. Weil du mehr bist.

 

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Literatur

Kozisnik, Petra; Rappold, Elisabeth; Pilwarsch, Johanna (2023): Evaluierung der GuKG‐ Novelle 2016. Gesundheit Österreich, Wien

Zur Person

Ivan Ljubić,

Pflegefachassistent am Ordensklinikum Barmherzige Schwestern Linz und Student der Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Gesundheitsberufe OÖ, Campus Gesundheit am Salzkammergut Klinikum Vöcklabruck.

(2026, February 15).
Mut zur Akademisierung
pfa.pflegenetz.at
https://pfa.pflegenetz.at/artikel/mut-zur-akademisierung

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