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Elke Grasserbauer
Lernen in der Praxis gestalten: Eine gemeinsame Aufgabe aller Pflegeberufe

Pflegeassistent*innen und Pflegefachassistent*innen spielen eine zunehmend wichtige Rolle in der praktischen Ausbildung von Pflegepersonen. Eine wirksame Praxisanleitung bedeutet dabei mehr als das bloße „Vormachen und Nachmachen“ und umfasst die Planung, Begleitung und Reflexion von Lernprozessen. Dafür sind Kompetenzen in Lernbegleitung, Kommunikation und Feedback, die in Fort- und Weiterbildungsangeboten erworben können, und unterstützende Rahmenbedingungen erforderlich.

Lernen dort, wo Pflege stattfindet

„Kannst du mir das kurz zeigen?“

Solche oder ähnliche Fragen stellen Auszubildende in der Pflege täglich. Hinter dieser scheinbar einfachen Bitte verbirgt sich eine zentrale Aufgabe aller Pflegeberufe: Lernprozesse in der Praxis gezielt zu fördern, damit Auszubildende jene umfassenden Kompetenzen entwickeln können, für die sie nach Abschluss ihrer Ausbildung Verantwortung übernehmen.

Pflegerische Kompetenz entsteht nicht allein im Unterricht oder im Skills-Lab, sondern vor allem dort, wo Menschen gepflegt, begleitet und versorgt werden. Erst in realen Versorgungssituationen lernen Auszubildende, theoretisches Wissen anzuwenden, Prioritäten zu setzen und auf die individuellen Bedürfnisse von Patient*innen einzugehen. Deshalb entfällt etwa die Hälfte der Ausbildungszeit in den Pflegeberufen auf die praktische Ausbildung. Damit diese Zeit bestmöglich genutzt werden kann, braucht es eine zielgerichtete und strukturierte Praxisanleitung.

Praxisanleitung als gemeinsame Aufgabe

Alle Pflegeberufsgruppen übernehmen dabei eine wichtige Rolle (Jäger, Halmich 2025). Während die Anleitung, Begleitung und Beurteilung von Auszubildenden in der Kernkompetenz der diplomierten Pflegepersonen liegt (§ 14 Abs. 2 GuKG), leisten auch Pflegeassistent*innen und Pflegefachassistent*innen im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten einen wesentlichen Beitrag. Dieser reicht – nach Anordnung der Diplomierten – von der Mitwirkung in der Ausbildung durch Pflegeassistent*innen (§ 83 Abs. 2 GuKG) bis zur eigenverantwortlichen Anleitung und Unterweisung durch Pflegefachassistent*innen (§ 83a Abs. 2 GuKG).

Gerade Angehörige der Assistenzberufe arbeiten häufig eng mit Auszubildenden zusammen, begleiten sie im Pflegealltag und vermitteln Wissen sowie Erfahrungen direkt am Lernort Praxis. Durch diese Nähe werden sie für viele Lernende zu wichtigen Vorbildern und Bezugspersonen.

Gute Anleitung ist mehr als Vormachen

Lange Zeit wurde Praxisanleitung vor allem mit dem Prinzip „Vormachen, Erklären, Nachmachen“ verbunden. Auch wenn dieses Vorgehen in bestimmten Situationen sinnvoll sein kann, reicht es allein nicht aus, um berufliche Handlungskompetenz zu entwickeln (Mamerow 2015). Erfolgreiches Lernen entsteht nicht zufällig. Es erfordert Planung, Begleitung, Reflexion und Rückmeldung.

Zu Beginn eines Praktikums werden gemeinsam mit den Auszubildenden Lernziele festgelegt. Unter Berücksichtigung ihrer individuellen Voraussetzungen werden passende Lerngelegenheiten geschaffen und schrittweise an ihren Wissensstand, ihre Entwicklung und ihre bisherigen Erfahrungen angepasst. Neben dem Erwerb pflegerischer Fachkompetenz spielt auch die soziale Integration in das Team eine wichtige Rolle.

Ein gelungener Theorie-Praxis-Transfer gelingt besonders dann, wenn Ausbildungseinrichtungen und Praxis eng zusammenarbeiten und Lernende kontinuierlich begleitet werden. Darüber hinaus benötigen Auszubildende Unterstützung im Umgang mit emotional belastenden Situationen, die im Pflegealltag unvermeidbar sind.

Auszubildende brauchen persönliche Begleitung

Pflegeberufe sind mit zahlreichen emotionalen Herausforderungen verbunden. Krankheit, Schmerzen, Sterben oder belastende Familiensituationen können insbesondere für Lernende sehr anspruchsvoll sein. Hinzu kommen Leistungsdruck, Unsicherheiten und die Sorge, Fehler zu machen.

Praxisanleitung bedeutet daher auch, Auszubildende emotional zu begleiten. Wertschätzende Rückmeldungen, konstruktives Feedback und die Möglichkeit zur Reflexion helfen dabei, schwierige Erfahrungen einzuordnen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Nicht selten bleibt eine gut geführte Reflexions- oder Feedbacksituation länger in Erinnerung als die Anleitung einer einzelnen Pflegemaßnahme.

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Was hilft bei der Anleitung im Pflegealltag?

Auch wenn die praktische Ausbildung zielorientiert geplant wird, muss Praxisanleitung nicht immer aufwendig sein. Häufig sind es kleine, bewusst gesetzte Maßnahmen, die Lernprozesse wirksam unterstützen:

  1. Zu Beginn klären, was der*die Auszubildende bereits weiß und kann, welche Verantwortung er*sie bereits übernommen hat und welche Lernziele verfolgt werden.
  2. Gemeinsam konkrete Lernziele für eine Lernsituation, den Dienst oder die Praktikumswoche festlegen.
  3. Pflegerische Tätigkeiten und deren Hintergründe verständlich erklären und begründen.
  4. Zu Fragen ermutigen und Auszubildende aktiv zum Mitdenken anregen, statt nur Arbeitsabläufe vorzugeben.
  5. Nach durchgeführten Tätigkeiten zunächst die Selbstreflexion fördern, anschließend gezielt Feedback geben und die nächsten Schritte planen.
  6. Raum für Reflexion schaffen, sowohl hinsichtlich pflegerischer Tätigkeiten als auch persönlicher Gedanken und Gefühle.
  7. Erfolge sichtbar machen und das Selbstvertrauen stärken.

Solche einfachen Schritte unterstützen das Lernen im Alltag und helfen dabei, Auszubildende schrittweise an ihre zukünftige berufliche Verantwortung heranzuführen. Lernen wird so zu einem aktiven Prozess, in dem nicht nur praktische Fertigkeiten erworben, sondern berufliche Handlungskompetenzen entwickelt werden. Zu beachten bleibt, dass dafür die Anordnung einer Diplomierten Pflegeperson erforderlich ist (§§ 83, 83a (2) GuKG).

Unterschiedliche Lernende, unterschiedliche Bedürfnisse

Die praktische Ausbildung steht heute vor zahlreichen Herausforderungen. Zeitdruck, Personalmangel und steigende Anforderungen im Pflegealltag erschweren die Begleitung von Lernenden. Gleichzeitig nimmt die Vielfalt der Auszubildenden zu.

Die Ausbildungswege in der Pflege haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Praxisanleiter*innen begegnen heute jungen Schulabgänger*innen ebenso wie Menschen mit umfangreicher Berufs- und Lebenserfahrung. Unterschiede zeigen sich unter anderem im Alter, in der Bildungsbiografie, in den Sprachkenntnissen und in den persönlichen Lebenssituationen.

Diese Vielfalt bereichert die Ausbildung, bringt jedoch auch besondere Anforderungen mit sich. Menschen lernen nicht auf dieselbe Weise und nicht im gleichen Tempo. Eine Anleitung, die für eine Person sehr hilfreich ist, kann für eine andere weniger geeignet sein. Ausbildende Mitarbeiter*innen benötigen daher die Fähigkeit, individuelle Lernvoraussetzungen zu erkennen und ihre Unterstützung entsprechend anzupassen.

Pädagogische Kompetenz wird immer wichtiger

Wer ausbildet, benötigt mehr als fachliches Wissen. Ebenso wichtig sind Kenntnisse über Lernprozesse, Kommunikation, Motivation, Feedback und Gesprächsführung. Darüber hinaus braucht es die Fähigkeit, den Pflegealltag bewusst als Lernraum zu gestalten.

Pflegeassistent*innen und Pflegefachassistent*innen übernehmen zunehmend Aufgaben in der Begleitung von Auszubildenden. Gleichzeitig werden pädagogisch-didaktische Kompetenzen in ihrer Grundausbildung bislang häufig nur begrenzt vermittelt (PA-PFA-AV 2016; Pfabigan et al. 2020, S. 237-240). Viele übernehmen Ausbildungsaufgaben daher vor allem auf Grundlage ihrer persönlichen Erfahrungen und ihres Engagements.

Um Lernende professionell begleiten zu können, sind gezielte Fort- und Weiterbildungsangebote im Bereich der Praxisanleitung von großer Bedeutung. Sie helfen dabei, Anleitungssituationen bewusst zu planen, Lernprozesse strukturiert zu gestalten und Sicherheit in der Ausbildungsrolle zu gewinnen.

Eine wichtige Rolle für die Zukunft der Pflege

Pflegeassistent*innen und Pflegefachassistent*innen leisten schon heute einen wichtigen Beitrag zur praktischen Ausbildung und werden künftig noch stärker daran beteiligt sein. Sie sind häufig jene Personen, mit denen Auszubildende im Pflegealltag besonders eng zusammenarbeiten und von denen sie viele praktische Fertigkeiten erlernen.

Um diese Aufgabe qualitätsvoll wahrnehmen zu können, benötigen sie entsprechende Unterstützung, geeignete Rahmenbedingungen und Weiterbildungsmöglichkeiten. Seit 2022 stehen Weiterbildungen zur Praxisanleitung auch Angehörigen der Pflegeassistenzberufe offen. Dadurch wird ihre Rolle in der Ausbildung weiter gestärkt.

Eine qualitativ hochwertige praktische Ausbildung ist eine gemeinsame Aufgabe aller Pflegeberufsgruppen. Sie trägt wesentlich dazu bei, dass zukünftige Pflegepersonen kompetent, sicher und reflektiert handeln können. Bildungseinrichtungen, Führungskräfte und Praxisanleiter*innen sind daher gleichermaßen gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die erfolgreiches Lernen in der Praxis ermöglichen.

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Literatur

Bundesgesetz über Gesundheits- und Krankenpflegeberufe (Gesundheits- und Krankenpflegegesetz – GuKG) StF: BGBl. I Nr. 108/1997, zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 109/2024

Jäger, P.; Halmich, M. (2015): Anleitung von Auszubildenden im Qualifikationsmix der Berufe mit Pflegekompetenz in Österreich. Zur rechtlichen Situation der Praxisanleitung. In: Procare, Springer-Verlag GMBH Austria

Mamerow, R. (2015): Praxisanleitung in der Pflege, 5. Auflage, Springer Verlag Berlin, Heidelberg

Pfabigan, D.; Rottenhofer, I.; Bajer, M.; Mader, F. (2020): Curricula für die Ausbildung Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz. In Erprobungsphase. Gesundheit Österreich GmbH Curr_PA_PFA_Erprobungsphase_bf.pdf

Verordnung der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen über Ausbildung und Qualifikationsprofile der Pflegeassistenzberufe (Pflegeassistenzberufe-Ausbildungsverordnung – PA-PFA-AV), StF: BGBl. II Nr. 301/2016

Zur Person

Mag.a phil. Elke Grasserbauer,

ist Studienleitung der Weiterbildungsstudienprogramme „Gesundheitspädagogik“ und „Praxisanleitung/Praxispädagogik“ am Department für Demenzforschung und Pflegewissenschaft der Universität für Weiterbildung Krems, selbständige Referentin, Doktoratsstudentin der Erziehungswissenschaft an der Karl-Franzensuniversität Graz, Praxis für Therapeutic Touch.

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