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Ahniia Strohova
Nicht ausbrennen, sondern wachsen - persönliche Erfahrungen aus der Pflegeausbildung
Zwischen Lernen, Prüfungen und Praktika: Wie ich lerne, auf mich selbst zu achten

Eine Ausbildung zur Pflegefachassistenz bedeutet, ständig Neues zu lernen. Anatomie, Krankheitslehre, Pflege, Hygiene, Kommunikation und viele weitere Themen gehören zum Unterricht. Gleichzeitig beginnt die praktische Ausbildung – und plötzlich muss man das Gelernte nicht nur verstehen, sondern im echten Pflegealltag anwenden.
Ich wusste, dass die Ausbildung anspruchsvoll sein würde. Was ich anfangs unterschätzt habe, war die ständige Notwendigkeit, mich neu zu konzentrieren, mich auf neue Situationen einzustellen und mich immer wieder in einem neuen Umfeld zurechtzufinden. Heute sehe ich diese Erfahrung nicht mehr nur als Belastung. Sie ist auch ein persönlicher Lernprozess. Ich lerne nicht nur, wie man Menschen professionell pflegt. Ich lerne auch, wie ich mit meinen eigenen Kräften umgehen kann.

Wenn Lernen zum Alltag wird

Während des Unterrichts muss man aufmerksam sein und viele neue Informationen aufnehmen. Zu Hause wartet dann die nächste Aufgabe: Inhalte wiederholen, Zusammenhänge verstehen und sich auf Prüfungen vorbereiten. Dabei kommt nicht immer ein Thema nach dem anderen. Oft laufen mehrere Fächer gleichzeitig. Man beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema und muss sich parallel auf eine Prüfung in einem ganz anderen Bereich vorbereiten.
Das ständige Wechseln zwischen unterschiedlichen Themen kann mental anstrengend sein. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass mein Kopf einfach voll ist. Trotzdem dachte ich zunächst: Ich muss noch mehr lernen. Ich muss noch besser vorbereitet sein.
Mit der Zeit habe ich verstanden, dass Lernen nicht bedeutet, jede freie Minute mit Lernen zu verbringen. Auch das Gehirn braucht Pausen, um Informationen zu verarbeiten.

Praktikum bedeutet: wieder neu anfangen

Dann kommt das Praktikum.
Eigentlich sollte man sich freuen, das theoretische Wissen endlich in der Praxis anzuwenden. Gleichzeitig beginnt aber eine neue Herausforderung: ein neues Team, neue Gesichter, neue Namen und eine neue Arbeitsorganisation.
Jede Einrichtung hat ihre eigenen Abläufe. Wie wird die Dokumentation geführt? Wo befinden sich bestimmte Materialien? Wie ist der Tagesablauf organisiert? Welche Aufgaben werden wann erledigt? Und welche Regeln sind vielleicht so selbstverständlich, dass niemand daran denkt, sie einem neuen Praktikanten ausdrücklich zu erklären?
Man muss nicht nur die pflegerischen Tätigkeiten lernen, sondern auch verstehen, wie genau diese Einrichtung funktioniert.
Manchmal sind es gerade die kleinen Unterschiede, die einen am Anfang verunsichern.
In einem Pflegeheim wird die Bettwäsche beispielsweise nicht bei jedem Bewohner täglich gewechselt. Im Krankenhaus gehört der tägliche Bettwäschewechsel dagegen viel häufiger zur Routine. Bei meinem ersten Einsatz im Krankenhaus wusste ich das nicht.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war es selbstverständlich. Für mich war es neu. Ich hatte zunächst den Eindruck, dass von mir erwartet wurde, etwas automatisch zu wissen, obwohl es mir niemand ausdrücklich erklärt hatte. Erst später verstand ich: Für jemanden, der seit Jahren auf dieser Station arbeitet, ist es eine ganz normale Routine. Für jemanden, der gerade erst angekommen ist, ist es eine weitere Information, die erst gelernt werden muss.

Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie unterschiedlich die Perspektive von erfahrenen Pflegepersonen und Praktikantinnen sein kann. Was für die eine Person selbstverständlich ist, kann für die andere völlig neu sein.

Krankenhaus: ein anderer Rhythmus

Besonders intensiv habe ich das im Krankenhaus erlebt. Im Vergleich zu meinen bisherigen Erfahrungen in Pflegeeinrichtungen war der Rhythmus völlig anders. Patienten wechselten, die Dokumentation war umfangreicher und genauer, und es gab deutlich mehr medizinische Begriffe.
Ich begann deshalb, mich nicht nur mit den unmittelbaren pflegerischen Aufgaben zu beschäftigen, sondern auch die Diagnosen und Informationen zu den einzelnen Patienten genauer zu lesen. Ich wollte verstehen, welche Erkrankung vorlag und was ich bei der Pflege dieses Menschen besonders beachten sollte.
Am zweiten Tag sollte ich einen Patienten auf eine Operation vorbereiten. Ich musste die notwendigen Dinge organisieren, den Patienten entsprechend vorbereiten, die einzelnen Schritte erklären und seine Fragen beantworten. Das Schwierige war nicht nur die Aufgabe selbst. Ich hatte keinen fertigen persönlichen Merkzettel mit allen einzelnen Schritten. Ich musste vieles aus dem Unterricht und aus den Erklärungen der vorherigen Tage abrufen und gleichzeitig darauf achten, nichts Wichtiges zu vergessen.

In diesem Moment dachte ich: Das ist wirklich anspruchsvoll.

Für jemanden, der seit Jahren auf dieser Station arbeitet, ist diese Vorbereitung wahrscheinlich eine ganz normale Routine. Für mich war es eine neue Situation, in der sehr viele Informationen gleichzeitig zusammenkamen. Auch die Erwartungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren für mich manchmal herausfordernd. Sie sind es gewohnt, dass Praktikantinnen und Praktikanten kommen und wieder gehen. Für das Stammpersonal sind viele Abläufe selbstverständlich und automatisiert.

Für mich bedeutete jeder neue Einsatz dagegen zunächst: beobachten, fragen, zuhören, merken, ausprobieren und wiederholen.

Wenn der Kopf am Abend einfach abschaltet

Die ersten Tage im Krankenhaus waren deshalb besonders anstrengend. Nach der Praxis kam ich nach Hause und hatte oft das Gefühl, dass mein Kopf und mein Körper nichts mehr aufnehmen konnten. Eigentlich hätte ich vielleicht noch lernen oder andere Dinge erledigen wollen. Stattdessen bin ich schlafen gegangen. Heute weiß ich, dass auch das eine Form von Selbstfürsorge sein kann. Früher hätte ich das vielleicht als mangelnde Belastbarkeit betrachtet. Heute sehe ich es anders. Erschöpfung ist nicht automatisch ein Zeichen von Schwäche. Manchmal ist sie ein Signal dafür, dass man gerade sehr viel verarbeitet hat.

Hauskrankenpflege: Verantwortung sieht anders aus

Auch die Hauskrankenpflege hat mir eine ganz andere Seite der Pflege gezeigt. Wenn man Menschen zu Hause besucht, befindet man sich in ihrem persönlichen Lebensraum. Man sieht nicht nur den Patienten oder Patientin sondern auch dessen Gewohnheiten, seine Umgebung und seine Art, mit seiner Erkrankung umzugehen. Dabei kann man auf Situationen treffen, die einen noch lange beschäftigen.
Eine Patientin, die ich erlebt habe, hatte aufgrund einer Erkrankung bereits ein Bein verloren. Auch das andere Bein war gesundheitlich stark beeinträchtigt. Das Pflegeteam kümmerte sich sehr sorgfältig um ihre Wunden. Trotzdem hielt die Patientin sich nicht immer an die notwendigen Empfehlungen zur Selbstpflege. Manche ihrer Entscheidungen wirkten sich dadurch negativ auf ihren Gesundheitszustand aus.
Das hat mich zunächst sehr beschäftigt. Ich dachte: Wenn ein Mensch weiß, dass ein bestimmtes Verhalten seiner Gesundheit schadet, warum verändert er es dann nicht? Mit der Zeit habe ich gelernt, diese Situation anders zu betrachten.
Als Pflegepersonen können und sollen wir informieren, beraten, unterstützen und unsere professionelle Hilfe anbieten. Wir können Risiken erklären, unsere Beobachtungen weitergeben und gemeinsam nach Lösungen suchen.
Aber ein erwachsener Mensch hat auch das Recht, Entscheidungen über sein eigenes Leben und seinen eigenen Körper zu treffen. Pflege bedeutet deshalb nicht, die Kontrolle über einen anderen Menschen zu übernehmen. Pflege bedeutet, Menschen so gut wie möglich zu unterstützen – auch dann, wenn ihre Entscheidungen nicht immer unseren eigenen Vorstellungen entsprechen.

Diese Erkenntnis war für mich persönlich sehr wichtig.

Wie ich lerne, nicht auszubrennen

Die Ausbildung hat mir gezeigt, dass Selbstfürsorge nicht erst dann beginnen darf, wenn man völlig erschöpft ist. Sie beginnt für mich damit, die eigenen Signale wahrzunehmen und rechtzeitig darauf zu reagieren. Nach einem besonders anstrengenden Praktikum ist die beste Lösung manchmal ganz einfach: schlafen.
Auch mit schwierigen Erlebnissen aus dem Praktikum versuche ich inzwischen bewusster umzugehen. Natürlich gibt es Situationen, über die man nachdenkt. Aber wenn ich merke, dass sich meine Gedanken immer wieder im Kreis drehen, versuche ich bewusst, den Fokus zu verändern. Ich gehe spazieren, treibe Sport, höre Musik oder meditiere. Dabei habe ich etwas Wichtiges gelernt:
So wie Konzentration beim Lernen wichtig ist, ist auch die Fähigkeit wichtig, sich in den Pausen wirklich vom Lernen zu lösen.
Eine Pause bedeutet für mich deshalb nicht, mit dem Handy in der Hand weiter über den Stoff nachzudenken. Es bedeutet, den Kopf bewusst auf etwas anderes zu richten.

Lernen braucht auch Pausen

Bei der Prüfungsvorbereitung hilft mir unter anderem die Pomodoro-Methode. Ich teile meine Lernzeit in konzentrierte Abschnitte und regelmäßige Pausen ein. Das hilft mir, nicht stundenlang vor den Unterlagen zu sitzen und dabei immer weniger aufzunehmen. Noch wichtiger finde ich aber die Qualität der Pause. Wenn ich beispielsweise 25 oder 30 Minuten konzentriert gelernt habe, möchte ich in der Pause nicht darüber nachdenken, was ich noch alles lernen muss. Ich versuche, für diese kurze Zeit wirklich abzuschalten. Denn auch Entspannung braucht eine bewusste Entscheidung. Man muss manchmal genauso bewusst entscheiden, jetzt nicht zu lernen, wie man sich vorher entschieden hat, sich auf das Lernen zu konzentrieren.

Mit Prüfungsangst umgehen

Eine weitere Herausforderung sind für mich Prüfungen. Auch wenn man gelernt hat, kann vor einer Prüfung Angst entstehen. Man fragt sich: Habe ich genug gelernt? Werde ich mich an alles erinnern? Was passiert, wenn ich genau die Fragen bekomme, auf die ich nicht vorbereitet bin? Ich versuche deshalb, meinen Umgang mit dieser Angst Schritt für Schritt zu verändern.
Manchmal helfen mir einfache Atemübungen. Ein paar bewusste, ruhige Atemzüge können dabei helfen, aus dem Gedankenkarussell herauszukommen und wieder ins Hier und Jetzt zu gelangen. Ich versuche mir außerdem immer wieder bewusst zu machen: Eine Prüfung ist eine Momentaufnahme. Sie entscheidet nicht darüber, wie viel ich als Mensch oder zukünftige Pflegefachassistenz wert bin.

Kleine Dinge, die einen Unterschied machen

Für mich besteht Selbstfürsorge deshalb nicht aus einer einzigen großen Maßnahme. Sie besteht aus vielen kleinen Entscheidungen:

  • Rechtzeitig schlafen gehen, wenn der Körper Erholung braucht;
  • Pausen machen, bevor die Konzentration vollständig nachlässt;
  • Bewegung in den Alltag einbauen;
  • meditieren oder Atemübungen machen;
  • über belastende Situationen nicht endlos nachgrübeln;
  • und bewusst Zeit einplanen, in der die Ausbildung keine Rolle spielt.

Ich lerne dabei auch, dass man nicht jede Belastung sofort lösen muss. Manche Eindrücke brauchen einfach Zeit.

Nicht ausbrennen, sondern wachsen

Wenn ich heute auf meine bisherigen Erfahrungen zurückblicke, sehe ich deshalb nicht nur die anstrengenden Seiten der Ausbildung. Ich sehe auch, wie viel ich gelernt habe – nicht nur über Pflege, sondern über mich selbst.

Ich habe gelernt, dass jedes neue Praktikum wieder eine Phase der Orientierung bedeutet. Dass ich nicht alles am ersten Tag wissen kann. Dass erfahrene Pflegepersonen viele Dinge automatisch machen, die für eine Praktikantin zunächst völlig neu sind.
Ich habe gelernt, Fragen zu stellen.
Ich habe gelernt, dass unterschiedliche Einrichtungen unterschiedliche Abläufe haben können.
Ich habe gelernt, dass Patienten unterschiedliche Bedürfnisse und Vorstellungen haben – und dass professionelle Pflege auch bedeutet, ihre Selbstbestimmung zu respektieren.

Und ich lerne noch immer, meine eigenen Grenzen wahrzunehmen.

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Lektionen der gesamten Ausbildung. Wir lernen, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen. Gleichzeitig müssen wir lernen, Verantwortung für unsere eigene Energie und unser eigenes Wohlbefinden zu übernehmen. Denn gute Pflege braucht nicht nur Fachwissen und praktische Fähigkeiten. Sie braucht Menschen, die aufmerksam bleiben können. Menschen, die empathisch bleiben können. Menschen, die auch nach einem schwierigen Tag noch die Kraft haben, einem anderen Menschen zuzuhören und ihn ernst zu nehmen.

Ich möchte meine Ausbildung deshalb nicht einfach nur hinter mich bringen.
Ich möchte aus ihr wachsen.
Nicht ausbrennen, um zu beweisen, dass ich stark bin.
Sondern lernen, meine Kräfte bewusst einzusetzen, meine Grenzen zu respektieren, Pausen zuzulassen und trotzdem immer wieder weiterzugehen.

Vielleicht bedeutet berufliche Stärke nicht, alles aushalten zu können. Vielleicht bedeutet sie vielmehr, rechtzeitig zu erkennen, wann man eine Pause braucht – und sich diese Pause auch zu erlauben.

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Zur Person

Ahniia Strohova

Ich befinde mich derzeit in der Ausbildung zur Pflegefachassistenz und sammle dabei Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen der Pflege. Durch meinen Hintergrund in Psychologie interessieren mich besonders die psychologischen Aspekte der Pflege sowie die Bedeutung von Selbstfürsorge und psychischer Gesundheit. Mit meinem Beitrag möchte ich persönliche Erfahrungen aus meiner Ausbildung teilen und zeigen, wie wichtig es ist, auf dem Weg zur Pflegefachkraft auch die eigenen Ressourcen nicht aus den Augen zu verlieren.

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