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Gordana Ristanovic
Wenn Pflegekräfte nur noch funktionieren: Warum und wann Warnsignale ernst genommen werden müssen

Pflegekräfte erleben im Arbeitsalltag immer wieder Phasen großer Erschöpfung. Doch wann wird aus normaler Müdigkeit eine anhaltende Belastung, die ernst genommen werden sollte? Der Beitrag verbindet persönliche Erfahrungen aus dem Pflegealltag mit der Frage, warum eigene Warnsignale häufig übersehen werden und was helfen kann, die eigenen Grenzen bewusster wahrzunehmen. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern darum, die eigene Gesundheit nicht aus dem Blick zu verlieren.

Pflegekräfte kommen zur Arbeit, übernehmen ihre Aufgaben, versorgen Patient:innen und funktionieren, auch dann, wenn die eigene Kraft eigentlich schon lange nicht mehr reicht.
Oft merkt man selbst zuerst, dass etwas nicht mehr stimmt. Die Müdigkeit wird stärker, die Erholung reicht nicht mehr aus und Dinge, die früher selbstverständlich waren, werden plötzlich anstrengend. Die Arbeit muss schließlich erledigt werden und die Patient:innen brauchen Unterstützung.

Doch wo beginnt der Punkt, an dem aus “Ich bin müde” ein Warnsignal wird? Und warum fällt es Pflegekräften oft so schwer, diese Signale ernst zu nehmen?
Im Pflegealltag ist es nicht immer einfach, die eigenen Grenzen wahrzunehmen. Zeitdruck, Personalmangel, volle Dienste und die Verantwortung für die zu betreuenden Menschen gehören für viele Pflegekräfte zum Arbeitsalltag. Häufig steht dabei zuerst die Frage im Vordergrund, was noch erledigt werden muss und was die Patient:innen brauchen. Die eigenen Bedürfnisse kommen dabei schnell an die letzte Stelle.

Auch Müdigkeit wird leicht als etwas Normales angesehen. Nach einem anstrengenden Dienst denkt man: “Heute bin ich einfach müde, morgen geht es weiter.” Wenn solche Phasen jedoch häufiger auftreten und die Erholung nicht mehr ausreicht, sollte man genauer hinsehen.

Meine persönliche Erfahrung aus dem Pflegealltag

Ich kenne dieses Gefühl aus meinem eigenen Pflegealltag. Es gab Dienste, bei denen ich kaum erwarten konnte, dass die Schicht endlich vorbei ist. Nicht, weil ich meine Arbeit nicht mochte, sondern weil die Belastung einfach sehr hoch war. Wenn viel zu tun ist und gleichzeitig zu wenig Personal zur Verfügung steht, kann ein Dienst schnell zur Herausforderung werden.
Nach manchen Diensten war meine Energie völlig aufgebraucht. Zuhause wollte ich eigentlich nur noch meine Ruhe haben, mich hinlegen und nichts mehr machen müssen. Selbst für alltägliche Dinge fehlte mir manchmal die Kraft. Auch die Freude an der Arbeit wurde weniger, wenn eine anstrengende Schicht auf die nächste folgte.
Trotzdem war mir eines immer wichtig: Die Patient:innen können nichts dafür, wie belastet oder erschöpft ich bin. Sie brauchen weiterhin eine freundliche und wertschätzende Betreuung. Auch wenn ich selbst müde und erschöpft war, war ich den Patient:innen gegenüber immer freundlich, um ihnen das Gefühl zu geben, dass sie mit ihren Anliegen ernst genommen werden.

Dass dies auch wahrgenommen wurde, haben mir positive Rückmeldungen von Patient:innen gezeigt. Manchmal wurde ich sogar gefragt, wie ich trotz des sichtbaren Arbeitsaufkommens noch so freundlich bleiben könne. Solche Momente haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, auch in belastenden Situationen die eigene Haltung nicht aus den Augen zu verlieren.

Wenn Erschöpfung zum Warnsignal wird

Nach einem anstrengenden Dienst erschöpft zu sein, ist in der Pflege nichts Ungewöhnliches. Ein Dienst kann körperlich und auch mental fordernd sein, und manchmal braucht man danach einfach Ruhe. Das allein bedeutet noch nicht, dass etwas nicht stimmt.
Wichtig wird es meiner Meinung nach dann, wenn die Erschöpfung nicht mehr nur nach einem einzelnen anstrengenden Dienst auftritt, sondern zum Dauerzustand wird. Wenn man auch zwischen den Diensten kaum noch Kraft bekommt, sich nicht mehr richtig erholt und das Gefühl hat, von einem Dienst zum nächsten zu funktionieren.
Auch eine zunehmende Gereiztheit, fehlende Freude an der Arbeit, Konzentrationsprobleme oder der Wunsch, sich nach der Arbeit nur noch zurückzuziehen, können Zeichen dafür sein, genauer hinzuschauen. Nicht jedes dieser Zeichen muss automatisch bedeuten, dass eine dauerhafte Überlastung vorliegt. Aber sie können ein Hinweis sein, die eigene Situation ernst zu nehmen und sich zu fragen: Wie geht es mir wirklich?

Warum Warnsignale so leicht übersehen werden

Im Pflegealltag gibt es viele Gründe, warum die eigenen Warnsignale leicht übersehen oder zur Seite geschoben werden. Wenn viel zu tun ist, konzentriert man sich zuerst darauf, dass die Patient:innen gut versorgt sind und alle Aufgaben erledigt werden. Die eigenen Bedürfnisse rücken dabei schnell in den Hintergrund.
Oft sagt man sich selbst: “Das ist gerade einfach eine anstrengende Phase.” Man wartet auf den nächsten freien Tag, auf ein ruhigeres Dienstwochenende oder auf den Urlaub. Wenn die Erschöpfung aber immer wiederkehrt und sich auch durch Ruhe nicht mehr ausreichend bessert, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Dazu kommt, dass es in der Pflege für viele selbstverständlich ist, zu funktionieren. Man möchte für andere da sein, niemanden im Stich lassen und auch das Team nicht zusätzlich belasten. Dadurch kann es passieren, dass man die eigenen Grenzen immer weiter verschiebt und erst sehr spät merkt, dass man selbst Unterstützung braucht.

Warnsignale ernst nehmen

Wenn man merkt, dass die eigene Erschöpfung nicht mehr vorübergehend ist, sollte man diese Signale nicht einfach ignorieren. Der erste Schritt kann sein, ehrlich auf die eigene Situation zu schauen und sich zu fragen, was gerade zu viel ist und was man verändern kann.
Dabei kann es helfen, die eigenen Grenzen wieder bewusster wahrzunehmen und sich ausreichend Zeit für Erholung zu nehmen. Auch Gespräche mit vertrauten Menschen oder Kolleg:innen können wichtig sein. Manchmal hilft bereits ein offenes Gespräch, um die eigene Situation klarer zu sehen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Wenn man merkt, dass man alleine nicht mehr weiterkommt, sollte man sich auch Unterstützung holen.
Für mich bedeutet Selbstfürsorge in der Pflege nicht, die Patient:innen oder die Menschen, die wir betreuen, weniger wichtig zu nehmen. Im Gegenteil: Wenn ich gut auf mich achte, kann ich auch gut auf andere achten. Denn wer dauerhaft über die eigenen Grenzen geht, kann irgendwann selbst nicht mehr die Kraft aufbringen, die andere brauchen.

Was wir uns selbst zugestehen dürfen

Pflege bedeutet, für andere da zu sein, Verantwortung zu übernehmen und auch in schwierigen Situationen verlässlich zu bleiben. Gerade deshalb sollten Pflegekräfte sich selbst nicht aus dem Blick verlieren.
Warnsignale ernst zu nehmen bedeutet nicht, schwach zu sein oder seine Verantwortung abzugeben. Es bedeutet, die eigene Gesundheit und die eigenen Grenzen genauso ernst zu nehmen wie die Bedürfnisse der Menschen, die wir betreuen.
Veränderung beginnt manchmal mit einer einfachen Frage: Wie geht es mir wirklich?

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Zur Person

Gordana Ristanovic,

ist ausgebildete Pflegefachassistentin und hat Berufserfahrung im Krankenhaus sowie in einer internistisch-rheumatologischen Ordination gesammelt. Die Themen Pflege, mentale Belastung, Erschöpfung und Selbstfürsorge beschäftigen sie schon seit längerer Zeit. Zusätzlich hat sie den Lehrgang zur Gesundheits- und Integrationslotsin erfolgreich abgeschlossen.

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