„Den Humor pflegen“ in der Pflege ist ein spannendes neues Thema, das in den letzten Jahren zunehmend im Fortbildungsangebot für Pflegekräfte angeboten wird. Der Anstoß hierfür kommt von Michael Christensen, der in den USA in New York begonnen hat als Klinikclown vor über 20 Jahren Kinder, Erwachsene und alte Menschen zu besuchen. Die Bewegung der Krankenhausclowns fand dann in den 90er Jahren den Weg nach Europa, zuerst in Wiesbaden und in Berlin. Laura Fernandez brachte die Idee aus New York mit nach Europa. Die Faszination von Clowns im Krankenhaus verbreitete sich unglaublich schnell in ganz Deutschland, Europa und heute weltweit. Der Einfluss von Humor auf unsere Gesundheit, der unter anderem durch Forscher wie Norman Cousins und William Fry begann, rückte zunehmend in den Interessenbereich der Forschung im Bereich des Gesundheitswesens.
Im Bereich der Kinderkrankenhäuser fanden sich mehr und mehr Ärzte, Psychologen und andere Interessierte, die die psychische Unterstützung von Kindern und deren Eltern durch Krankenhausclowns sinnvoll empfanden. Krankenhausclowns erwiesen und erweisen sich bis heute als sinnvolle Partner im Krankenhausbetrieb, um Kindern Ängste zu nehmen, Stress abzubauen und Entspannung in einer von Sorgen und Ängsten belasteten Zeit zu bewirken.
Bald schon fand sich der Gedanke, dass es Sinn macht, dass Clowns auch erwachsene, alte, dementiell erkrankte Menschen und Erwachsene besuchen, Eingang in Pflegeheime und Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen finden. Diese Bewegung dauert bis heute fort. Immer mehr Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser, vor allem in der Geriatrie wünschen sich mittlerweile Clowns, um die Arbeit der Pflege emotional und im positiven Alltags-Erleben zu erweitern und zu unterstützen. Auch im Bereich der Palliativpflege zeigen sich (auch mir selbst als Klinikclown durch eigene Erfahrungen im Robert-Bosch-Klinikum) erstaunlich positive Zugänge zu Patienten. In der Arbeit mit dementiell erkrankten Menschen ist der Weg der Clowns und humorvoller Pflegekräfte über die emotionale Welt der alten Menschen ein nicht zu unterschätzender Wirkfaktor in der Kommunikation mit verwirrten und mehr und mehr Orientierung verlierenden Menschen. Durch das „Andocken“ an biographische Themen und kindliche Erlebniswelten, die bei dementiell Erkrankten oft noch lange verfügbar sind, werden Begegnungen möglich, die ähnlich wie die in der Validation (Naomi Feil) angezielten pflegerischen Verhaltensweisen Abbauprozesse aufhalten oder verzögern. Die Lebensqualität des alten Menschen erfährt hierdurch eine maßgebliche Unterstützung.
Dabei gibt es einen intensiven Austausch der Clowns mit dem Pflegepersonal, den Einrichtungsleitungen, den Sozialdiensten und Pflegedienstleitungen.
Michael Christensen in den USA und Paul Kustermann (Rote Nasen e.V.) in Berlin waren eine der ersten Clowns, die in den USA und in Deutschland damit begannen die Erkenntnisse der positiven Psychologie, die unter anderem durch Martin Seligman (USA) vorangetrieben wurde, auch in die Alltagsarbeit im Pflegebetrieb unterstützend zu fördern und durch praktische Fortbildungen auszubauen. Dazu arbeiteten sie Konzepte aus, die sie mit Teams von an der Pflege beteiligten Personengruppen durchführten. Diese Idee begeisterte auch Eckart v. Hirschhausen, der durch den Austausch mit Michael Christensen inspiriert wurde, diese Idee in Deutschland zu verbreiten. Durch eine Schulung mit Michael Christensen wurden viele Clowns und mit Humor arbeitende Fortbildner, Pädagogen etc. angeregt und ausgebildet, dieses Konzept zu verbreiten und Schulungen für Pflegekräfte und andere an der Pflege Beteiligte zu veranstalten. Durch die von Eckart v. Hirschhausen gegründete Stiftung „Humor hilft heilen“ wird diese Bewegung unterstützt und auch gefördert.
Für die Stiftung und auch als Humorcoach arbeite ich seit vielen Jahren mit Teams und gebe Fortbildungen. Im evangelischen Bildungszentrum für Pflegeberufe Stuttgart ist das Humortraining seit 7 Jahren fester Bestandteil aller Auszubildenden. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erleben dabei ganz leibhaftig die Wirkung von Humor an sich selbst. Gleichzeitig erfahren Sie in Schulungen und Fortbildungen selbst ihre eigenen Interventionsmöglichkeiten, die Humor und positive Kommunikation und ein empathischer Umgang im Umgang mit Pflegeempfängern und Pflegeempfängerinnen möglich machen. Dadurch erfährt auch die Pflege Intensivierung und Entlastung. „Wer lacht arbeitet leichter“. Wer andere zum Lachen oder Schmunzeln bringt wird als Pflegekraft besser akzeptiert und wertgeschätzt. Dies ist gerade angesichts der Probleme von Situationen in Bezug auf Gewalt in der Pflege ein nicht zu unterschätzender Faktor und dient der Deeskalation bei und in Konflikten, gerade auch präventiv. Das zeigt u.a. die Forschung über Spiegelneurone und die Verhaltensforschung. Die Neurobiologie, hier vor allem der Neurobiologe Joachim Bauer („Warum ich fühle, was du fühlst“), als auch die Verhaltens- und Emotionsforschung mit Paul Ekman („Gefühle lesen“), als einem bedeutenden Vertreter zeigen auf, wie durch Lachen, Humor und Empathie provozierte Wirkungen, Konflikte und Widerstände, Ängste und Stresssituationen in Vertrauen und Kooperation zu führen vermögen.
Im Sinne einer anzustrebenden Arbeitszufriedenheit und Psychohygiene für Pflegekräfte, Ärzte, Psychologen, Sozialdiensten etc. ist der Humor ein Faktor, welcher auch die physische und psychische Gesundheit der in der Pflege tätigen Personengruppen zu fördern vermag.
Viele der Teilnehmer*innen bekommen aufgrund der Erfahrungen in den Übungen, auch durch das viele Lachen, das Gefühl, dass sie vieles richtig machen. Der Workshop will nicht belehrend sein, sondern ist ressourcenorientiert und wertschätzend für Pflegekräfte und andere. Das melden die Teilnehmer*innen immer wieder zurück.
Neben all den äußeren Ansprüchen, die die Pflege und die Betreuung (älterer) Menschen verlangt, äußern Teilnehmer immer wieder, dass sie das Thema Menschlichkeit und Beziehung anspricht.
Das viele Lachen in den Seminaren und Workshops wirkt ansteckend und schafft Vertrauen. Es ist wie ein Urlaub vom Ernst des Lebens und auch der Pflege.
„Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viel gelacht habe!“ ist ein Satz, der eigentlich jedes Mal ausgesprochen wird. Oft wünschen sich die Teilnehmer*innen ein Wiederholungsseminar.
„Lachen ist gesund!“ Weil die Teilnehmer*innen diese Lebensweisheit selbst erleben besteht die Hoffnung, dass sie das Gelernte in ihrem Arbeitsalltag, in der Pflege und in der Betreuung älterer Menschen nachhaltig leben. Bei Wiederholungsworkshops erzählen mir Teilnehmer*innen oft, dass sich die Fortbildung im Umgang mit den Bewohnern und Bewohnerinnen, sowie mit Kollegen und Kolleginnen bemerkbar macht. Durch das eigene Erleben bleibt es im Gedächtnis und auch im „Gedächtnis der Körpers“ (Joachim Bauer) hängen.
Fazit: Die Beschäftigung mit dem Humor lohnt sich für alle, weil die Arbeit, das Pflegeheim, das Krankenhaus und das eigene Leben einfach heller wird: Immer wieder.
Bischofberger, Iren (Hrsg.); Das kann ja heiter werden – Humor und Lachen in der Pflege. 2. Aufl., Bern 2008
Aus der Sicht der Pflege, viele praktische Erfahrungen und Ideen für Humor in der Pflege, für Pflegeberufe sehr geeignet.
Christensen, Michael; Wie der Humor in die Kinderklinik kam. Die Lebensgeschichte des Begründers der weltweiten Klinikclown-Bewegung, Tuttlingen HCD-Verlag 2018.
Cousins, Norman; Der Arzt in uns selbst – Wie Sie ihre Selbstheilungskräfte aktivieren können. 2. Aufl., Darmstadt 2009.
Csikszentmihalyi, Mihaly; Flow – Das Geheimnis des Glücks, Stuttgart 1990.
Furmann, Ben; Es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit zu haben, Dortmund 2013.
Titze, Michael; Therapeutischer Humor, Frankfurt 6. Aufl. 2011.
Grundlagenbuch für das Thema Humor und Therapie.
Holtbernd, Thomas; Der Humorfaktor – Mit Lachen und Humor das Leben erfolgreich meistern, Paderborn 2002.
Wild, Barbara; Humor in Psychiatrie und Psychotherapie, Neurobiologie – Methoden – Praxis, Stuttgart 2012.
Bauer, Joachim; Warum ich fühle, was du fühlst – Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone. 11.Auflage Hamburg 2006.
Feil, Naomi/Klerk-Rubin, Vicki de; Validation – Ein Weg zum Verständnis verwirrter alter Menschen. 9. Aufl. München 2010.
Maio, Giovanni; Die Ethik der Verletzlichkeit, Freiburg 2024.
Meincke, Joachim (Hrsg.); Clownsprechstunde Lachen ist Leben – Clowns besuchen chronisch kranke Kinder. Bern 2000.
Fey, Ulrich; Clowns für Menschen mit Demenz. Das Potenzial einer komischen Kunst, Frankfurt a.M. 2. Auflage 2012.
Furmann, Ben; Es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit zu haben, Basel 2013.
Hüther, Gerald; Die Macht der inneren Bilder. Wie Visionen das Gehirn, den Menschen und die Welt verändern, Göttingen 2011.
Seligman, Martin E.P.; Der Glücksfaktor. Warum Optimisten länger leben, Köln 2014.
Hoffkamp, Ludger; Der Clown –das innere Kind im Spielraum des Lachens, Tuttlingen 2016.
www.humorhilftheilen.de Homepage der Stiftung „Humor hilft heilen“ von Eckart von Hirschhausen mit Informationen, Ideen und Angeboten zur Förderung von Humor im Krankenhaus, der Pflege und im Gesundheitsbereich zur Unterstützung ganzheitlicher Medizin und Therapie.
Ludger Hoffkamp,
Clown und Zauberer, Klinikclown bei der Stiftung „Humor hilft heilen“ (Eckart v. Hirschhausen)
Humorcoach bei Humorcare Deutschland – Österreich e.V. und für „Humor hilft heilen“
Seminare zum Thema „Humor in der Pflege“
Kath. Seelsorger und Pastoralreferent mit viel Erfahrung in Trauerbegleitung
Gestaltberater (IGBW), Gestalttrainer (IIGS)
Autor des Buches: „Der Clown, das innere Kind im Spielraum des Lachens“, HCD-Verlag 2015
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