Chronische Wunden zählen zu den großen Herausforderungen im Gesundheitswesen. Menschen mit Dekubitus, diabetischem Fußsyndrom oder Ulcus cruris benötigen häufig eine langfristige und intensive Betreuung. Dabei geht es längst nicht nur um den Verbandwechsel. Wundmanagement umfasst Beobachtung, Hygiene, Schmerzmanagement, Mobilisation, Beratung, Prävention, die situationsgerechte Auswahl geeigneter Wundversorgungsprodukte, die Förderung der Adhärenz von Patient:innen sowie die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen.
Gerade hier zeigt sich die besondere Bedeutung von Pflegeassistenz (PA) und Pflegefachassistenz (PFA). Sie begleiten Menschen häufig über längere Zeiträume, erleben Veränderungen unmittelbar und leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgungsqualität. Wundmanagement gelingt dort am besten, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Wundversorgung ist Teamarbeit
Die Versorgung chronischer Wunden erfordert interprofessionelle Zusammenarbeit. Ärzt:innen, diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger:innen (DGKP), Pflegeassistenzberufe, Therapeut:innen und weitere Gesundheitsberufe bringen unterschiedliche Kompetenzen ein. Keine Berufsgruppe kann komplexe Wundsituationen allein bewältigen.
Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz übernehmen wichtige Aufgaben im Rahmen ihrer gesetzlich definierten Kompetenzen. Das österreichische Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG) beschreibt den Tätigkeitsbereich der Pflegeassistenz unter anderem als „Mitwirkung an und Durchführung der ihnen von Angehörigen des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege übertragenen Pflegemaßnahmen“. Im Bereich der Mitwirkung bei medizinischer Diagnostik und Therapie umfasst der Tätigkeitsbereich zudem die „Durchführung einfacher Wundversorgung, einschließlich Anlegen von Verbänden, Wickeln und Bandagen“ (§ 83 GuKG).
Der Tätigkeitsbereich der Pflegefachassistenz umfasst gemäß § 83a GuKG die „Mitwirkung an und Durchführung von Pflegemaßnahmen“. Darüber hinaus beinhaltet die Mitwirkung bei medizinischer Diagnostik und Therapie unter anderem die „Durchführung einfacher Wundversorgung, einschließlich Anlegen von Verbänden, Wickeln und Bandagen, und Assistenz bei der chirurgischen Wundversorgung“.
Diese gesetzlichen Grundlagen zeigen deutlich: Pflegeassistenzberufe sind ein wesentlicher Teil moderner pflegerischer und medizinischer Behandlungsprozesse.
Nähe zu den Menschen als besondere Stärke
Menschen mit chronischen Wunden erleben häufig Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und soziale Belastungen. Viele Betroffene schämen sich für Gerüche, Exsudat oder sichtbare Hautveränderungen. Nicht selten ziehen sie sich zurück oder verlieren an Lebensqualität.
Pflegeassistenzberufe verbringen oft besonders viel Zeit mit den Patient:innen. Dadurch entsteht Nähe und Vertrauen. Gerade diese kontinuierliche Begleitung ist im Wundmanagement von großer Bedeutung.
Wunden betreffen nicht nur die Haut – sie betreffen den ganzen Menschen.
Die Aufgaben von Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz im Wundmanagement sind vielfältig und reichen weit über den Verbandwechsel hinaus. Sie umfassen pflegerische, beobachtende, präventive und kommunikative Tätigkeiten entlang des gesamten Versorgungsprozesses. Die folgenden Kernaufgaben verdeutlichen den breiten Beitrag der Pflegeassistenzberufe im interprofessionellen Wundmanagement.
| Die 10 Kernaufgaben von Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz im Wundmanagement | |
| Kernaufgabe | Beitrag |
| Beobachten | Veränderungen frühzeitig erkennen |
| Versorgen | Einfache Wundversorgung, Verbände |
| Mobilisieren | Druckentlastung und Dekubitusprophylaxe |
| Vorbeugen | Risiken frühzeitig erkennen |
| Hygienisch Handeln | Infektionen vermeiden |
| Dokumentieren | Beobachtungen und Versorgung nachvollziehbar festhalten |
| Kommunizieren | Informationen im Team weitergeben |
| Ernährung fördern | Heilungsprozesse unterstützen |
| Unterstützen | Patient:innen begleiten |
| Adhärenz fördern | Therapie und Maßnahmen mittragen helfen |
Chronische Wunden bedeuten für Betroffene häufig einen Verlust an Selbstständigkeit und sozialer Teilhabe. Gerade deshalb ist die kontinuierliche Begleitung durch Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz von großer Bedeutung. Wertschätzende Kommunikation, Motivation und empathische Unterstützung können wesentlich dazu beitragen, dass Patient:innen therapeutische Maßnahmen besser annehmen und langfristig mittragen. Menschen mit chronischen Wunden brauchen nicht nur Versorgung, sondern auch Vertrauen und Zuversicht.
Beobachten und weitergeben
Ein zentraler Beitrag von Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz liegt in der Beobachtung und Informationsweitergabe. Gerade im Alltag fallen Veränderungen häufig zuerst jenen Personen auf, die Patient:innen regelmäßig begleiten. Professionelle Beobachtung kann entscheidend dazu beitragen, Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Dazu zählen unter anderem das Wahrnehmen von Hautveränderungen oder Druckstellen, das Beobachten von Schmerzen und hygienischen Auffälligkeiten, die Einschätzung der Mobilität sowie die Dokumentation und Weitergabe relevanter Informationen im Team. Häufig sind es zunächst kleine Veränderungen – etwa zunehmende Schmerzen, Veränderungen der Wundumgebung oder ein reduzierter Allgemeinzustand –, die für das gesamte Behandlungsteam wertvolle Hinweise liefern.
Im Wundmanagement ist Kommunikation daher entscheidend. Werden Beobachtungen rasch weitergegeben und nachvollziehbar dokumentiert, können Veränderungen frühzeitig erkannt und therapeutische Maßnahmen zeitnah angepasst werden.
Hygiene als gemeinsame Verantwortung
Hygiene spielt im Wundmanagement eine zentrale Rolle. Infektionen können die Wundheilung verzögern und schwerwiegende Folgen haben. Deshalb ist hygienisches Arbeiten eine gemeinsame Verantwortung aller beteiligten Berufsgruppen. Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz leisten hierzu einen wichtigen Beitrag, indem sie hygienische Standards einhalten, mögliche Infektionszeichen beobachten, aseptische Arbeitsabläufe unterstützen sowie Hautschutz- und Präventionsmaßnahmen mittragen.
Besonders im Alltag stationärer Einrichtungen oder der mobilen Pflege wird deutlich, wie wichtig konsequente Hygienemaßnahmen sind. Die Qualität der Wundversorgung zeigt sich oft in den scheinbar kleinen Dingen des Pflegealltags.
Prävention ist ein wesentlicher Teil des Wundmanagements
Chronische Wunden entstehen nicht plötzlich. Ursachen wie langfristige Druckbelastung, Bewegungsmangel, unzureichende Hautpflege, Durchblutungsstörungen oder Diabetes mellitus wirken häufig über längere Zeiträume zusammen und begünstigen die Entstehung chronischer Wunden.
Pflegeassistenzberufe leisten daher ebenso einen wichtigen Beitrag zur Prävention, etwa durch Unterstützung bei Lagewechseln, Förderung der Mobilität, Beobachtung gefährdeter Hautstellen sowie durch die Unterstützung einer ausgewogenen Ernährung und die Wahrnehmung gesundheitlicher Veränderungen. Auch die Motivation zur Bewegung kann dazu beitragen, Risikofaktoren frühzeitig zu reduzieren.
Besonders in Pflegezentren, Krankenhäusern und in der mobilen Pflege sind diese Maßnahmen essenziell. Die beste Wunde ist jene, die gar nicht erst entsteht.
Pflegefachassistenz als wichtige Schnittstelle
Die Tätigkeitsbereiche der Pflegeassistenzberufe sind im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz klar geregelt. Während die Pflegeassistenz an übertragenen Pflegemaßnahmen mitwirkt, kann die Pflegefachassistenz bestimmte Tätigkeiten eigenverantwortlich durchführen. Die Pflegefachassistenz übernimmt damit eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen verschiedenen Berufsgruppen. Sie trägt zur Kontinuität der Versorgung bei und unterstützt standardisierte Abläufe im Pflegeprozess.
Gleichzeitig bleibt die enge Zusammenarbeit mit DGKP, Ärzt:innen und weiteren Gesundheitsberufen wesentlich. Gerade im Wundmanagement wird deutlich, dass moderne Versorgung nicht auf Einzelpersonen, sondern auf abgestimmten Prozessen und interprofessioneller Zusammenarbeit basiert.
Interprofessionelle Zusammenarbeit verbessert die Versorgung
Chronische Wunden betreffen häufig ältere Menschen oder Personen mit komplexen Erkrankungen. Die Versorgung erfordert daher umfassendes medizinisches und pflegerisches Fachwissen sowie eine enge interprofessionelle Zusammenarbeit.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt interprofessionelle Zusammenarbeit als einen Prozess, „wenn Angehörige verschiedener Gesundheitsberufe gemeinsam mit Patient:innen, Angehörigen und Gemeinschaften zusammenarbeiten, um eine Versorgung in höchster Qualität zu gewährleisten“. Interprofessionelle Zusammenarbeit zeichnet sich dabei insbesondere durch gemeinsame Zielorientierung, klare Kommunikation, gegenseitigen Respekt, koordinierte Entscheidungsprozesse sowie die Einbindung unterschiedlicher beruflicher Kompetenzen zum Wohl der Patient:innen aus. Die WHO betont zudem, dass interprofessionelle Zusammenarbeit Gesundheitssysteme stärkt und zu besseren Gesundheitsoutcomes beiträgt (WHO 2010).
Durch abgestimmte Zusammenarbeit können Informationen gezielt weitergegeben, Doppelgleisigkeiten vermieden und vorhandene Kompetenzen bestmöglich genutzt werden. Dadurch lassen sich sowohl die Versorgungsqualität als auch die Sicherheit von Patient:innen verbessern. Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz sichern Kontinuität, beobachten Veränderungen und begleiten Menschen oft über lange Zeiträume.
Gerade angesichts einer älter werdenden Gesellschaft und steigender chronischer Erkrankungen wird die Bedeutung professioneller Teamarbeit weiter zunehmen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Koordination, Kommunikation und kontinuierliche Versorgung. Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz übernehmen dabei eine wichtige Rolle im interprofessionellen Team, da sie nahe an den Patient:innen arbeiten und pflegerische Maßnahmen über längere Zeiträume mittragen. Wundmanagement ist daher weit mehr als eine technische Tätigkeit – es ist ein gemeinsamer Prozess mit dem Ziel, Gesundheit, Lebensqualität, Sicherheit und Wohlbefinden der Betroffenen zu fördern.
Bundesgesetz über Gesundheits- und Krankenpflegeberufe (Gesundheits- und Krankenpflegegesetz – GuKG), BGBl. I Nr. 108/1997 idgF.
World Health Organization (WHO) (2010): Framework for Action on Interprofessional Education and Collaborative Practice. Geneva: World Health Organization.
Mag.a phil. Martina Kuttig,
ist Pflegewissenschaftlerin und Studienleiterin des Weiterbildungsstudienprogramms Wundmanagement am Department für Demenzforschung und Pflegewissenschaft der Universität für Weiterbildung Krems. Als Pflegewissenschaftlerin ist ihr insbesondere ein trans- und interprofessioneller Zugang in der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden ein großes Anliegen. Sie hat das Studienprogramm Wundmanagement bewusst für unterschiedliche Gesundheitsberufe geöffnet – insbesondere auch für Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz. Damit soll die Zusammenarbeit aller an der Wundversorgung beteiligten Berufsgruppen gestärkt und die Versorgungsqualität nachhaltig gefördert werden.
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